Liebe Mitglieder und Freunde des Fördervereins Agrarflug Kyritz e.V.

Am 28. Oktober 2010, noch ein paar Monate bis zum Jubiläum „100 Jahre Agrarflug“, wurde im Kyritzer Rathaus unser Förderverein zum Erhalt der ideellen und materiellen Werte dieser Epoche gegründet.

Alfred Zimmermann, Forstmeister in Detershagen bei Magdeburg, reichte am 22.März 1911 in der Patentschrift Nr. 247028 ein (wörtlich):
„Verfahren zur Vernichtung der Nonnenraupe und anderer Waldschädlinge durch Bestäuben der Bäume mit die Schädlinge vernichtenden Flüssigkeiten oder Trockenstoffen“ ein.

Flugversuche in vielen Ländern erfolgten bald, zumal in Europa immer wieder durch starke Aufforstungen mit Kiefer und Fichte verursacht, große Schadensbilder auftraten. Die Schädlinge, angefangen von Blattwespen, Kiefernspinner, Nonne, Forleule, Borkenkäfer und vielen anderen Arten, ruinierten die Waldbestände bis zum Totalverlust. Bis zum 2 Weltkrieg wurden die verschiedensten Luftfahrzeugtypen für diesen Einsatz verwendet. Die führenden Länder waren damals die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und an 4. Stelle Deutschland.

Nach dem 2 Weltkrieg folgten bald andere Arbeitsarten. Da die Bodengeräte lange nicht so gut entwickelt waren wie heute, kam die Schädlingsbekämpfung besonders in hohen Kulturpflanzen bald hinzu. Die Düngung mit hoch kon- zentrierten Mitteln erwies sich in vielen Ländern, mit immer besserer Abwurftechnik, als ein der Zeit entsprechendes Mittel, die Erträge in der Landwirtschaft zu steigern. Die hauptsächlich angewandten Flugzeugtypen in den Ländern Osteuropas waren Antonov AN2 und auf der westlichen Seite in kleineren Stückzahlen die Piper Pawnee.

In vielen anderen Sektoren der Wirtschaft erkannte man das Flugzeug und den Hubschrauber als willkommenes Hilfsmittel. Neben dem ständig weiter entwickelten Prinzip der Düngung und der Schädlingsbekämpfung in Kulturpflanzen gab und gibt es komplizierte Einsätze gegen Heuschrecken. Die Aussaat von Pionierpflanzen in schwer befahrbaren Gebieten oder auch das Ausbringen von Roggen, Weizen, Serradella oder Klee gehören zum Spektrum des Agrarfluges. In der Verbrechensbekämpfung (Kokain und Schlafmohn Plantagen) werden ähnlich wie leider auch bei der militärischen Nutzung (Agend Orange) Herbizide zur Vernichtung von Pflanzen eingesetzt.

Im Waldbrandeinsatz erwiesen sich auch kleine Agrarflugzeuge als effizientes Mittel bei der Bekämpfung. Später, Anfang der 80 Jahre, als die Wälder besonders in den Mittelgebirgen durch chemische Stoffe im Regen geschädigt wurden, konnten mit der Waldkalkung durch Flugzeuge die Schäden reduziert werden.

Der Hubschrauber kam mit der Zeit immer mehr dazu. In Hanglagen und im Obstbau hat er seine besonderen Fähigkeiten, als wendiger Partner der Agrarflugzeuge ebenso tätig zu werden, bewiesen. Beim Lastenheben in der Industrie oder in der Forstwirtschaft ist er nicht mehr weg zu denken.

Als das GPS (Global Positioning System) eine präzise Navigation überall ermöglichte, ging leider das Zeitalter des Agrarfluges mit Flugzeugen zumindest in Deutschland dem Ende entgegen. Bis 2015 gab es noch Agrarflug in Kyritz.

Der Agrarflug am Flugplatz Kyritz hatte mit seinen 85 Flugzeugen, zum Ende der 80 er Jahre, einen großen Anteil am Wirken des Agrarfluges in der ehemaligen DDR. Neue Verfahren und Technologien wurden durch die Kyritzer Ingenieure und Techniker entwickelt.

Heute stellt der Förderverein mit der Schaffung des Agrarflugmuseums diese Zeit und damit auch das Wirken vieler Kyritzer dar. Der Betriebsteil Kyritz beschäftigte bis 1990 325 Techniker, Angestellte und Piloten. Direkt in Kyritz waren es 120 Beschäftigte. Das Einsatzgebiet waren die damaligen Bezirke Schwerin, Potsdam, Frankfurt Oder und Cottbus.

In unserem „kleinen aber feinen Museum“, wie es ein Fernsehsender bezeichnete, kann man in Bild und Ton sowie mit praktischen Ausstellungstücken und mit historischen Berichten vieles aus dieser Zeit erfahren.

Eine kleine Bitte haben wir noch. Für die weitere Rekonstruktion von Ausstellung- stücken benötigen wir noch Bilder verschiedener Flüssigkeitsbelademethoden und Geräte. Schickt uns diese bitte per Post oder e-Mail. Aber auch sonstige Gegen- stände oder Unterlagen aus der „Zeit des Agrarfluges“ sind immer willkommen. Wer weiß, wo wir noch einen KA26 oder Teile eines Dromedar für unsere Ausstellung bekommen können, sollte uns informieren?

Unsere Ausstellung wird ständig erweitert. Es gibt noch viel an historischem Material aufzuarbeiten. Die Rahmenbedingungen, die uns die Stadt Kyritz im wesentlichem ermöglicht hat, erlauben uns ein „großes feines Museum“ daraus zu machen. Dazu brauchen wir auch Eure Hilfe.

Vielleicht kennt Ihr auch noch eine Firma oder Personen die bereit sind, uns zu unterstützen. Ich denke da an eine Mitgliedschaft im Förderverein, eine Spende natürlich mit einer Spendenbescheinigung oder Ihr seid bereit, ein ganzes
Wochenende die Besucherbetreuung des Museums zu übernehmen.

Wir möchten allen Mitwirkenden und auch denen, die es bald werden wollen, unseren herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft übermitteln. Auf unserer Internetseite www.agrarflug-kyritz.de erfahrt Ihr mehr über uns, schaut einfach mal rein. Noch lieber ist uns ein Besuch. Bleibt gesund in dieser Zeit natürlich besonders!

Vorstandsvorsitzender Reinhard Krüger

 

Quelle: Märkische Onlinezeitung
Quelle: Märkische Onlinezeitung